Blogserie Teil 6: Der Hidden Champion Belgien
Im letzten Beitrag gings um Spanien, wo klar wurde, dass die massive Überförderung vor allem Großinvestoren angelockt hat und die heimischen KMU’s nur wenig Zeit hatten, sich auf den Boom einzustellen. Dies führte dazu, dass vor allem durch ausländische Firmen und Investoren in riesigen Ausmaßen gebaut wurde und die heimische Industrie nicht mithalten konnte.
Heute möchte ich einen Hidden Champion vorstellen. Der belgische PV-Markt wächst so langsam vor sich hin (Wachstumsgrafik) und hat gleich mehrere Einspeisemodelle probiert. Jetzt nach einigen Jahren wird deutlich, dass das einfachste Gesetz in Flanders, das Wirksamste war. Wirksam bedeutet für mich, dass unglaublich viele Belgier bereit waren ihr Geld statt zu sparen oder für sinnloses Zeugs auszugeben, in die Vorsorgesparform PV-Anlage investiert haben.
In Belgien gibt es 3 verschiedene Systeme je nach Region (Brüssel, Wallonien, Flandern), die durch das ganze Green-Certificate-Gerede auf den ersten Blick etwas verwirrend anmuten. Letztendlich sind es in Brüssel und Wallonien Einspeisetarife mit Mindestwerten und in Flandern ein fixer Tarif welcher aber länger gewährt wird. (20 statt 10 oder 15 Jahre). Einen Überblick über alle Tarife gibts auf der EPIA Webseite. 2009 wurden von der gesamten installierten Kapazität (292 MW) 85% in Flandern verbaut – ein klarer Grund sich das näher anzuschauen. Bei den drei Regionen kann der Grund für zögernde Investoren in den anderen Gebieten schließlich kaum die Sonneneinstrahlung sein. Die Globalstrahlung liegt in Belgien übrigens zwischen 1100 und 1200 kWh/m2.
Hier der Tarif im Detail
- Tarif: € 0,35/kWh 2010, € 0,33/kWh 2011 (in Form von Green Certificates)
- Grösse der Anlage für den Einspeisetarif egal
- Laufzeit: 20 Jahre
- Privathaushalte: Steurliche Abschreibungsmöglichkeit von 40% der Investmentkosten auf maximal 4 Jahre und maximal € 3600,-/Jahr und Haus
- Unternehmen dürfen 13,5% der Installationskosten von der Ertragssteuer absetzen
Rückwärstlaufende Zähler als Erfolgsrezept
Besonders spannend finde ich in Belgien die Abrechnungsform. Für Anlagen unter 10 kWp gibt es die Möglichkeit des “Net Metering“. Dies ist ein Anreiz den produzierten Strom selbst zu verbrauchen und bedeutet, dass sich der Stromzähler auch rückwärst drehen darf. Der Zähler dreht sich also übers Jahr ein paar mal nach vor und wieder zurück und am Ende des Jahres zahle ich nur die Differenz.
In einem Forum habe ich ein Beispiel gefunden wo ein Belgischer PV-Eigentümer am Ende des Jahres nur 57kWh bezahlen musste, da er eben fast genausoviel produziert, wie verbraucht hatte (ca. 4800 kWh). Neben dem Stromspareffekt bekommt man als kleiner Haushalt aber zusätzlich die Green Certificates, die in Flanders auf jede produzierte kWh zu einem fixen Preis abgenommen werden. Kein Wunder, dass in Flandern der Markt für Kleinanlagen boomt.
Technisch kann das Rückwärtsdrehen angeblich so ziemlich jeder Stromzähler in Europa, aber viele Staaten wollen sich darauf nicht einlassen, weil ihnen dadurch Steuern entgehen, die man normalerweise auf den verbrauchten Strom zahlen müsste. Abgesehen davon, dass diese Dreifachbegünstigung (Einspeisetarif, Steuererleichterung, Stromersparnis) für Privathaushalte für meinen Geschmack schon wieder fast etwas zu viel des Guten ist, halte ich es für sinnvoll, die Begünstigungen über Steuererleichterung und Verringerung von Finanztransaktionen zu gewähren.
Hin-und Herüberweisen bringt nur Arbeit für Beamte
Warum soll mir der Staat vorher Geld in den Rachen stopfen (zB. unsere tolle Investitionsförderung), damit ich nachher über Jahre hinweg das Geld über Steuern auf meiner Stromrechnung/Einspeisevergütung wiedere zurückzahle. Da spar ich mir doch die Investitionsförderung und das Hin- und Herüberweisen und schütte zumindest einen Teil der Förderung über Steuerbegünstigungen aus. Wir erinnern uns, dass diese Methode nur zu gern im Bereich der fossilen Energie angewandt wird. (Blogartikel Subvention fossiler Energien)
Steuerberater als PV-Vermittler
Bei Unternehmen macht es Flandern ebenfalls vor. 13,5% der Investition können abgeschrieben werden und so fällt die Investitionsentscheidung in einem Unternehmen schon viel leichter. Netter Nebeneffekt: Steuerberater werden zu PV-Anlagen Vermittlern und bringen zusätzlich Kunden in den Markt!
Siehe auch die anderen Teile der Blogserie:
- Start der Blogserie
- Blogserie Teil 1: Einspeisetarife für Anfänger
- Blogserie Teil 2: Einspeisetarife und externe Kosten
- Blogserie Teil 3: Monetäre Subventionen fossiler Energieträger
- Blogserie Teil 4: Konjunkturmotor Einspeisetarif in Gemeinden
- Blogserie Teil 5: Negativbeispiel Spanien
- Blogserie Teil 7: Der Sklavenhandel und die Energiewirtschaft
Weiterführende Links








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