Was hinter unseren Kyoto Zahlen steckt

Das Thema der Millionenzahlungen, die Österreich wegen der Verfehlung von Kyoto zahlen muss, geistert schon eine Weile in diversen Medien herum. Ich habe mir nun mal die Mühe gemacht und überschlagsmäßig ausgerechnet was hinter den mal wieder viel zu abstrakten Zahlen steckt.

Gut gemeint ist leider oft nicht gut gemacht

Der Zertifikatehandel mit dem man die Strafzahlungen für eine Verfehlung nach Kyoto bemisst, ist leider derzeit das einzige Instrument, welches versucht die externen Kosten von fossilen Energieträgern in ein Produkt oder System einzurechnen um soetwas wie Marktgleichgewicht herzustellen. Was ursprünglich wie eine gute Idee klang, ist in der Praxis vorerst mal gescheitert. Die Preise für die Zertifikate sind so niedrig, dass es wieder günstig ist zu emmitieren, aber mit dem bisschen Geld was rauskommt, fast keine Projekte finanziert werden können. Auch eine internationale Investorengruppe hat das Problem erkannt und ruft zu Verbesserungen auf.

Der wirtschaftliche Abschwung, Verbesserungen bei der Energieeffizienz und ein zu großes Angebot an Zertifikaten aus Minderungsprojekten haben nach Ansicht der Investorengruppe IIGCC zu einem Überangebot im CO2-Markt geführt. Der derzeitige niedrige CO2-Preis sei für Unternehmen kein Anreiz, mehr, auf umweltfreundlichere Energiequellen umzusteigen. “Das Europäische Emissionshandelssystem produziert nicht länger die anfangs angestrebten Ergebnisse und muss deshalb repariert werden”, schreibt IIGCC-Chefin Stephanie Pfeifer in ihrem Brief. Bei einem Preis von weniger als 7 Euro je Tonne CO2 sei der CO2-Preis nicht einmal hoch genug, um einen Wechsel von Kohle zu Gas auszulösen. (Quelle)

Um das System zu verbessern, muss man aber erstmal verstehen was schief gelaufen ist. Dieser Artikel ist ein erster Vorstoß in dieses furchtbar komplizierte Feld. Ich freue mich über Anregungen und entschuldige mich falls ich in dem Zahlendschungel etwas übersehen habe. In dem Fall bitte ebenfalls um einen Hinweis.

Die Schwächen des Systems am Beispiel Österreich

Insgesamt rechnet man in Österreich mit einer Verfehlung von 32 Mio. Tonnen CO2. Die Kosten für jede Tonne kann man auf der rechten Achse ablesen. 2011 waren noch bis zu 18 €/Tonne möglich, dieses Jahr gab es schon Zeiten in den nur 5 €/Tonne bezahlt wurden. Interessant ist dabei auch die blaue Kurve. Sie zeigt den Großhandelsstrompreis, der im letzten Jahr stark gesunken ist. Jetzt kann man sich mal ausrechnen wie rentable es heuer ist, auch nur irgendwelche Effizienzmaßnahmen einzuleiten.

Wie können 32 Mio. Tonnen eingespart werden?

Mich hat nun interessiert, was Österreich hätte machen können, um diese Unmengen einsparen zu können. Hier meine ersten Ergebnisse. Es würde mich freuen, wenn diese Liste weitergeführt wird und zB. um Wind, Solarthermie oder andere Effizienzmaßnahmen erweitert wird.

32 Mio. Tonnen Einsparung durch PV-Zubau

Um 32 Mio Tonnen CO2 einzusparen müssten 45 GWp PV Anlagen gebaut werden. Das ist mehr als bis 2050 in der Energieautarkiestudie vorgesehen ist. Derzeit haben wir übrigens ca. 0,2 GWp installiert. (Ich bin von 700kg/installiertem kWp ausgegangen.) Diese Lösung fällt daher CO2 technisch weg, wenn auch langfristig auch dies ein Teil der Lösung sein wird, als Kurzfristmaßnahme ist hier jedoch wenig zu holen.

32 Mio. Tonnen im Verkehr sparen

Eine relativ einfache, wenn auch radikale und unrealistische Lösung, wäre den Verkehr für 1,5 Jahre stillzulegen. Der emmitierte 2010 22,5 Mio Tonnen.

32. Mio Tonnen in der Industrie sparen

Auch wenn man hört, dass die Industrie einen zielmlich hohen CO2 Ausstoss hat, hat mich die Zahl doch auch überrascht. 24,7 Mio. Tonnen werden über die Industrie ausgestoßen. Diese Zahl kann und soll natürlich nicht auf 0 gefahren werden, gibt aber zumindest ein Gefühl für die Größenordnungen von denen wir reden.

Was kann mit dem Geld nun gemacht werden?

Nun gut, wir freuen uns, dass wir aufgrund der gesunkenen CO2 Preise nun 160 Mio. € statt 600-1000 Mio. € bezahlen müssen. Auch wenn sich die Finanzministerin  und kurzfristig auch der Steuerzahler freuen kann, dass so viele Millionen gespart werden, frage ich mich, welche Projekte das emmitierte CO2 wieder reinarbeiten sollen. In meiner naiven Vorstellung, sollten doch die Gelder dazu dienen, jede gekaufte CO2 Tonne zu sparen. Ich frage mich aber, wo das überhaupt möglich ist? Mit zum Zubau von Erneuerbaren wird das schwierig. Wenn wir wieder das Beispiel PV hernehmen, würde der Bau von 45 GWp etwa 60-80 Mrd. kosten. Ups… wir haben aber nur 160 Mio…

Natürlich sind das fiktive Kosten, aber sie zeigen die Größenordnung und auch die Hebel, an denen es zu schrauben gilt. Die weltweite Industrie ist ein wichtiger Schlüssel. Wir sind hier aber in einem furchtbarem Dilemma. Wir müssen endlich einsehen, dass sich bei billigen Gewerbestrompreisen auch Effizienzmaßnahmen nicht rentieren. Man braucht sich nur ausrechen, wie lange die Amortisation des Ersatzes einer Glühbirne mit LED  bei 7ct/kWh dauert. Im Haushalt rentierts sich mindestens doppelt so schnell.

Ein sehr kluger Vorschlag aus einem Vortrag eines ehemaligen IEA Mitarbeiters war es, die “Strafzahlungen” der Industrie, ohne Umwege über das Finanzministerium, ausschließlich in Effizienzprojekte in den einzelnen Industrien zu reinvestieren. Nur in geschlossenen Systemen können Lenkungseffekte wirken, das gilt natürlich auch für alle anderen Segmente.

So, und jetzt interessieren mich eure Ideen um die 32 Mio. zu schaffen!