Die Atombombe in meinem Kühlschrank

Die Atombombe im Kühlschrank - Eier aus Bodenhaltung
Ich habe eine Atombombe in meinem Kühlschrank! Oder zumindest fühlt es sich so an. Heute kommt ein Beitrag zum Thema Ernährung. Einerseits weil ich mich viel damit beschäftige, andererseits weil Ernährung auch unglaublich viel mit Energie zu tun hat.
Zurück zu meiner Atombombe. In der Mitte meines Kühlschranks sitzt ein leuchtendes 6-er Pack Eier und jedes Mal wenn ich den Kühlschrank öffne, springt mir ein schlechtes Gewissen entgegen. Warum?
Es sind Eier aus Bodenhaltung!!
Das Schlimmste, was man derzeit in der Kategorie Eier kaufen kann!! (Käfigeier gibt’s in Österreich offiziell nicht mehr – nur mehr in verarbeiteten Produkten). Für die, die sich immer schon gefragt haben, was die Nummern auf den Eiern bedeuten, die Kategorisierung bedeutet folgendes.
- 0 = Biologischer Landbau
- 1 = aus Freilandhaltung
- 2 = aus Bodenhaltung
- 3 = aus Käfighaltung (seit 2009 in Ö verboten)
Ich schwöre, es war unabsichtlich und ich ärgere mich wahnsinnig, dass auch ich mal wieder Opfer der Naturbilderschmähmasche geworden bin. Zu meiner Verteidigung muss ich etwas weiter ausholen. Wir waren am Freitag beim Einkaufen etwas in Eile gingen zum nahegelegenen Spar. Bei den Eiern habe ich zu den schön aufgemachten, grün angehauchten Spar Vital Eiern gegriffen. Das durch Werbung programmierte Denkmuster lief in meinem Kopf vermutlich so ab: Spar Vital = Miriam Weichselbraun = Grüne Wiesen = Natur Pur = Sicher Freiland oder Bio.
Ich möchte hier betonen, dass ich nicht nochmal genauer nachgeschaut und aus einem Reflex heraus gehandelt habe. Das soll aber keine Entschuldigung sein, da wie Ludwig Gruber von den Bio Hotels in diesem Interview richtigerweise sagt:
Zum Täuschen gehören immer zwei, jene die täuschen und jene, die sich täuschen lassen.
In diesem Interview zitiert er auch Franz Fischler, der als einen seiner größten Fehler als EU-Landwirtschaftskommisar eingesteht, dass er zwar durchgesetzt hat, dass das Wort “BIO” geschützt ist, nicht jedoch die Bilder von grünen Wiesen und Weiden. Leider sind Bilder viel kraftvoller als Worte und so wird der Konsument wahnsinnig oft von Bildern verführt. Das Schlimme: Auch aufgeklärte Konsumenten, zu denen ich mich durchaus zähle, sind davor nicht gefeit. Hier möchte ich aber ganz deutlich auf die vermutlich absichtliche Vermischung von Marken hinweisen. Sowohl Spar als auch Billa setzen bewusst oder unbewusst die Werbung so ein, dass man durch das Testimonal Spar Vital auch mit Werten aus Natur pur assoziert und der Hausverstand bewirbt sowohl ”clevere” Geiz-ist-Geil-Ausbeuterprodukte als auch das Ja! Natürlich Bio-Hochpreissortiment. Genau deshalb werden die Bio-Marken der großen Handelsketten für mich immer unglaubwürdig(er) bleiben. Solange mit den Gewinnen aus diesen Produkten die Shareholder bezahlt werden, die auch die Ausbeuterschiene fahren, wird sich das nicht ändern.
Was ist also richtig?
Ich kaufe seit Jahren Freilandeier (1er Klasse) und habe jetzt sogar einen Lieferanten gefunden, der es in die 0-er Klasse schafft. Ich muss auch gestehen, dass ich lange dachte, dass Toni’s Freilandeier das höchste der Eiergefühle sind, bis ich mich näher mit den Klassen auseinandergesetzt habe. 1-er Klasse ist eben noch nicht Bio. Hier sei aber noch erwähnt, dass es anscheinend unglaublich schwierig ist, eine grössere Zahl an Hühnern ohne Medikamente aufzuziehen, da über den Kot sehr viele Krankheitserreger übertragen werden. Die Bauern von meinem Biokistl-Lieferanten Adamah, dass ich seit fast zwei Jahren beziehe, schaffen dies aber offensichtlich und das Tolle: Meine 0-er Eier vom Bauernhof sind sogar manchmal um 1 € billiger als Freilandeier aus dem Supermarkt und können mit so manchen Eiern aus Bodenhaltung mithalten. Es gibt also absolut keinen Grund diese Art der Tierhaltung (System Wiesenhof) zu unterstützen.
Hier noch eine genauere Erklärung der gesetzlichen Situation in Österreich. Wichtig ist aber auch die Menge, die wir verbrauchen, auch hier gilt: Weniger ist mehr und ein bisschen weniger Kuchen schadet auch dem Bauchfett.
Was tun mit der Atombombe?
Nun bleibt die Frage: Was soll ich mit meinen leuchtenden Plutonium-Eiern tun? Essen, damit ich nicht zur Verschwendung beitrage? Verschenken? An wen? Oder verfaulen lassen und ein kleines Päckchen an ein paar Agenturen schicken? Wäre ich ein bösartiger Mensch, wäre das wohl die lustigste Alternative… Was meint ihr?








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