Blogserie Teil 7: Der Sklavenhandel und die Energiewirtschaft

steckdose174.jpgDas neue Jahr hat begonnen und es ist Zeit die Blogserie, die mit viel positivem Feedback aufgenommen wurde, abzuschließen. Die Einleitung macht eine ziemlich populistische Anekdote von Robert F. Kennedy jr, der letztes Jahr eine ARA-Lecture gehalten hat. Er verglich die derzeitige Abhängigkeit von Öl, mit der Zeit als man während des Sklavenhandels in Grossbritannien diskutierte, warum der Sklavenhandel nicht abgeschafft werden könnte:

Die Abschaffung des Sklavenhandels würde zu einem massiven Verlust an Energie, die die Industrie braucht, führen und durch die massive Erhöhung der Energiekosten (Anm. Sklaven waren ja quasi gratis) hätte man massive Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Kolonialmächten.

Na, klingt das vertraut? Das Ende des Sklavenhandels liest sich wie die  Zukunft der Energiewirtschaft. Ein mächtiges Land stellt seine Energieversorgung komplett um und zwingt alle anderen Länder, es ihnen gleich zu tun, um keine Wettbewerbsverluste zu erleiden.

Im Übrigen führte die Abschaffung der Sklaverei nicht zu dem befürchteten Energieengpass, sondern entfesselte ein ungeheures Potential an unternehmerischen Aktivitäten. (weiterlesen …)

Blogserie Teil 6: Der Hidden Champion Belgien

steckdose174.jpgIm letzten Beitrag gings um Spanien, wo klar wurde, dass die massive Überförderung vor allem Großinvestoren angelockt hat und die heimischen KMU’s nur wenig Zeit hatten, sich auf den Boom einzustellen. Dies führte dazu, dass vor allem durch ausländische Firmen und Investoren in riesigen Ausmaßen gebaut wurde und die heimische Industrie nicht mithalten konnte.

Heute möchte ich einen Hidden Champion vorstellen. Der belgische PV-Markt wächst so langsam vor sich hin (Wachstumsgrafik) und hat gleich mehrere Einspeisemodelle probiert. Jetzt nach einigen Jahren wird deutlich, dass das einfachste Gesetz in Flanders, das Wirksamste war. Wirksam bedeutet für mich, dass unglaublich viele Belgier bereit waren ihr Geld statt zu sparen oder für sinnloses Zeugs auszugeben, in die Vorsorgesparform PV-Anlage investiert haben. (weiterlesen …)

Blogserie Teil 5: Negativbeispiel Spanien und die Fehler bei der Einspeiseregelung

Blogserie Einspeisetarife

Juhuu! Endlich kommen wir zu dem Teil der Serie, auf den ich mich am meisten gefreut habe! Das Beleuchten von  Einspeisetarifen in verschiedenen europäischen Ländern. Um den Sinn hinter der ganzen Sache zu erklären war es jedoch wichtig, etwas “Allgemeinwissen”  zu vermitteln (1. Eintrag + Links)). In den nächsten Posts werde ich Positiv- und Negativbeispiele bringen, wobei es sich dabei um eine subjektive Wahrnehmung aus den letzten 3 Jahren in denen ich mich damit beschäftigt habe.

Spanien - das Solar-Mekka Europas

Spanien hatte 2007 das attraktivste Einspeisemodell Europas. Mit einem sehr hohen Tarif, 25 Jahre Laufzeit, sowie einen Tarif für die Zeit danach (!!), Inflationsanpassung inklusive war es der Traum für jeden Investor. Bei der Einführung der Tarife war das Gesetz jedoch zu sehr an Deutsche und Nordeuropäische Stralungsverhältnisse angelehnt und nicht miteingerechnet, wie viel höher die Einstrahlungswerte in Spanien sind. Damals gab es vermutlich noch keine detaillierten Solarkatasterpläne und mit Tarifen von bis zu 44ct/kWh!!! (kWh und Einstrahlungswerten in Südspanien von knapp 2000 kWh/kWp (D: 900 – 1100 kWh/kWp) kam es zu einer Überhitzung des Marktes.

Bereits Mitte des Jahres 2007 war das für 2010 gesetzte Ziel der Installation von 317 MWp aus Sonnenenergie erreicht. Die Regierung zog daraufhin die Notbremse und änderte das Gesetz dahingehend, dass nur mehr Anlagen bis Ende September 2008 die Vergütung bekommen. Womit die Regierung nicht gerechnet hatte war, dass bis zu diesem Stichtag die weltweiten PV-Kräfte mobilisiert wurden und innerhalb nur eines Jahres 2000 MWp!! (Ö: 37 MWp)  PV und Solarthermie Anlagen errichtet wurden.

Ich habe keine Ahnung wie der Genehmigungsvorgang damals gelaufen ist, da alleine die bürokratischen Hürden in unseren Breitengraden vermutlich so hoch wären, dass es selbst wenn das Geld vorhanden wäre, keine Chance gäbe, so viele Projekte umzusetzen. Man muss sich mal vorstellen, das ist eine bearbeitete Fläche von über 2000 Fussballfeldern! Falls wir also doch ein Einspeisegesetz bekommen, sollten wir uns die Abwicklung in Spanien genauer ansehen.

Die Blase platzt 2008

Nach dem genannten Stichtag ist der Solarmarkt regelrecht zusammengebrochen. Probleme bei manchen zu schnell errichteten Anlagen sowie massive Einschnitte bei den Tarifen schreckten andere Investoren ab und die institutionellen hatten ohnehin Italien als neues “Opferland” entdeckt. Dazu jedoch mehr im Beitrag für Italien.

Den Einspeisetarif welcher danach eingeführt wurde, finde ich markttechnisch sehr spannend. Ab jetzt wird der Tarif vierteljährlich angepasst, je nachdem wie hoch die Nachfrage in der Vorperiode war. Wird das Pensum vollkommen ausgeschöpft fällt der Tarif, wird er nicht ausgeschöpft steigt er wieder an. Eine vierteljährliche Anpassung an die sich noch immer ständig verändernde Lernkurve wird daher berücksichtigt. Leider gibt es noch keine Erfahrungswerte, da in den letzten beiden Jahren viel Unsicherheit herrschte und daher nur zögerlich investiert wurde. Unsicherheit ist ja bekanntlich der größte Feind von Investoren, wenn die Gewinne “überschaubar”sind. (Anmerkung am Rande: Wenn das Risiko unendlich gross, aber die Gewinne dafür auch, ist Unsicherheit kein Thema mehr; leider liefert das die PV aber nicht.)

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Blogserie Teil 3: Monetäre Subventionen fossiler Energieträger

steckdose1745.jpgIm letzten Beitrag ging es um externe Kosten fossiler Energieträger, also Kosten, die vom Verursacher nicht getragen werden und so auf die Allgemeinheit umgewälzt werden müssen. Das führt dazu, dass die fossilen Brennstoffe nicht den Preis kosten, den sie verursachen. Dadurch herrscht ein Marktungleichgewicht gegenüber Energieformen, die keine oder nur geringe externe Kosten verursachen, jedoch im “Einkauf” mehr kosten.

Als ob das noch nicht genug wäre, werden fossile Energien außerdem vor allem steuerlich subventioniert. Diese “Details” werden in der Energiedebatte gerne unter den Tisch gekehrt, deshalb halte ich sie für das Thema Einspeisetarife für relevant. Hier ein Auszug aus einer aktuellen Studie. Ich habe bei der OECD auch Zahlen für Österreich angefragt, leider konnten sie mir nur diese Studie (Vergleich der Ausgaben in der EU) von 1997 zuschicken. Neue Zahlen werden erst nach den großen Ländern erhoben.

Österreich stieg übrigens sehr gut aus. Damals wurden über 80% in Erneuerbare und unter 20% in fossile Energien investiert. Kein Wunder dass wir damals als Umweltmusterland bezeichnet wurden. Umso interessanter wäre die derzeitige Lage. Nichtsdestotrotz werden die indirekten Förderungen in den Industrieländern auf ähnlich verschlungene Weise gewährt. Damit man sich etwas darunter vorstellen kann, gebe ich vorab einen Überblick über die verschiedenen Subventionsformen und anschließend die konkreten Zahlen – soweit vorhanden. (weiterlesen …)

Blogserie Teil 2: Einspeisevergütung und externe Kosten

steckdose1745.jpgEigentlich sollte hier der Blogbeitrag: Einspeisetarife und Subventionen für fossile Energieträger entstehen.  Neben den “offensichtlichen” Dingen wie Steuerbegünstigungen bin ich über das Thema externe Kosten gestolpert. Ich hatte mich vor Jahren damit beschäftigt, es aber wieder vergessen, weil darüber selten diskutiert wird.

Externe Kosten der fossilen Energien

Ich möchte die externen Kosten im Rahmen der Einspeisevergütung deshalb behandeln, weil sie im weitesten Sinne ebenfalls als Subvention zu sehen sind. Sie müssen von der Allgemeinheit getragen werden, weil sie dem Verursacher nicht angelastet werden.

Definition: Als externen Effekt bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre die unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen, für die also niemand bezahlt oder einen Ausgleich erhält, auf unbeteiligte Marktteilnehmer. Sie werden nicht in das Entscheidungskalkül des Verursachers einbezogen. Volkswirtschaftlich gesehen sind sie eine Ursache für Marktversagen und können staatliche Interventionen notwendig werden lassen. (Quelle)

Die Berechnung dieser Kosten ist denkbar schwierig, weshalb sie in der Diskussion oft vernachlässigt werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht vorhanden wären. Im Energiebereich gehören dazu (alle Beispiele):

  • Luftverschmutzung,  Feinstaubbelastung und die daraus resultierenden Gesundheitsschäden
  • Gewässerverschmutzung, Abfall und Lärmbelastung, die durch öffentliche Gelder wieder behoben werden müssen
  • Kosten aus Umweltkatastrophen und die dadurch entstehenden gesellschaftlichen Schäden
  • Ewigkeitskosten beim Steinkohleabbau
  • Im Fall von Atomenergie, die Kosten für die Endlagerung
  • Politische und militärische Sicherung der Zugänge (weiterlesen …)

Vater des Einspeisetarifes gestorben

Am Freitag traf es mich wie der Blitz. Genau jetzt, wo ich die mitunter durch ihn inspirierte Blogserie für Einspeisetarife startete, das Email: Hermann Scheer ist tot… Wie bitte? Er wollte doch die nächtsten Wochen nach Wien kommen, sein neues Buch (Der energethische Imperativ) vorstellen, den österreichischen Politikern auf die Finger klopfen… (Zitat Scheer: “Österreich wird energiepolitisch unter seinen Verhältnissen regiert…”.)

Hermann Scheer hat mich sehr geprägt. Sein Buch Energieautonomie mir schlaflose Nächte bereitet, mich aufgerüttelt etwas zu unternehmen, mich zu informieren. Vor über zwei Jahren durfte ich ihn persönlich kennen lernen und wir trafen uns danach immer wieder, wenn er in Österreich war. Unglaublich spannend war es, mit einer Person von diesem Kaliber  zu diskutieren.

Er kämpfte sein Leben lang für den Traum von einer Welt ohne fossile Energieträger. In zahlreichen Nachrufen (Welt online) ist sein Leben nachzulesen. Mit Herz und Seele war er dabei und sein Herz hat den Kampf nun aufgegeben. Ich wünsche mir, dass sein Tod dabei hilft, seine Überzeugungen weiter zu verbreiten und seinen Traum wahr werden zu lassen. Ich werde meinen Teil dazu beitragen und möchte hier auf einige seiner Werke und Reden hinweisen, da er in Österreich nicht annähernd so bekannt ist wie in Deutschland. Die Blogserie geht natürlich weiter, auch wenn ich gehofft hatte ihn das eine oder andere Mal um Rat fragen zu können. Ich hoffe zumindest im neuen Buch einige Antworten zu finden.

Blogserie Teil 1: Einspeisetarife für Anfänger

FotoliaWie im letzten Beitrag angekündigt, startet heute die Blogserie zum Thema Einspeisetarife. Ohne große Umschweife geht’s los.

Die Definition laut klima:aktiv:

“Der Einspeisetarif ermöglicht dem Erzeuger von Ökostrom eine gesicherte Abnahme zu einem gesicherten Preis über einen festgelegten Zeitraum.”

Der Staat macht also ein Gesetz, welches das Energieversorgungs- unternehmen (EVU) dazu verpflichtet den in Österreich erzeugten Ökostrom abzunehmen und an den Endkunden zu verkaufen.

In Österreich wurde für die operative Abwicklung des Ökostromgesetzes und Einspeisetarifes ein eigenes Unternehmen gegründet. Die  OeMAG nimmt den Strom zu dem vom Gesetzesgeber vereinbarten Tarif vom Erzeuger ab und kümmert sich um die tägliche Zuweisung des Ökostroms. Bevor ich zum Einspeisetarif im Detail komme, möchte auf diese kurz eingehen, da sie eine wichtige Rolle in der gesamten Energiedebatte spielen.

Woher kommt unser Strom eigentlich?

Das Energieversorgungsunternehmen (EVU) hat verschiedene Möglichkeiten seinen Strom zu beziehen, den es dann an den Endkunden weiterverkauft. Entweder es kauft ihn an der Strombörse oder produziert ihn selbst.  Durch das Ökostromgesetz sind sie außerdem verpflichtet, einen gewissen Anteil an österreichischem Ökostrom zum Verrechnungspreis (Gesetztestext dazu) von der OeMAG abzunehmen. Hier eine Erklärung von E-Control wie das System funktioniert.

Die Einspeisetarife im Detail

Im Anfangsbeitrag habe ich erwähnt, dass ich aus Zwecken der Komplexitätsreduktion in meinen Beiträgen lediglich auf  Sonnenstrom eingehen werde. Alle anderen Tarife können Sie hier nachlesen.

Folgende Einspeisetarife bekommt man mit viel Geduld  in Österreich für Photovoltaik Anlagen ab 5 kWp.  Mit einer 5 kWp Anlage erzeugt man je nach Standort ca. 5000 kWh Strom pro Jahr und versorgt einen 4-5 Personen Haushalt.

Einspeisetarife (Quelle: OeMAG)

Diese Werte klingen sehr vielversprechend und können durchaus mit den hochgelobten Tarifen aus Italien und Deutschland mithalten. Leider gibt es  einige massive Bremsen im System.

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Start der Blogserie – Einspeisetarife

fotoliaIn letzter Zeit häufen sich die Zeitungs- und Radiobeiträge zum Thema: Ökostrom ist Kostentreiber für die Strompreise. Woran denken Sie dabei? An die Gestehungskosten von Wind- und Sonnenenergie? An die Einspeisetarife die über den Strompreis abgerechnet werden? An erhöhte Infrastrukturkosten? An Subventionen und die Strombörse? Oder an nichts von alledem, weil ohnehin alles zu kompliziert ist?

Ich möchte diese neue Debatte zum Anlass nehmen eine Blogserie zu starten, die sich mit dem Thema Einspeisetarife beschäftigt. Die Gesetzeslage ist sehr komplex und neben anderen Fördermodellen ist oft nicht ganz klar wie die Sachlage in Österreich aussieht. Ich selbst musste mich erst mühsam durch den Informationsjungel kämpfen. Mit den folgenden Beiträgen soll etwas Licht ins Dunkel dieser Debatte kommen und vor allem Energielaien erreichen. Um die Komplexität etwas zu minimieren werde ich mich bei den Vergleichen auf Sonnenstrom konzentrieren, da der Großteil der Bevölkerung eher die Möglichkeit hat eine Solar bzw. PV-Anlage anzuschaffen, als ein Wind- oder Biomassekraftwerk.

Folgende Beiträge sollen in den nächsten Wochen erscheinen:

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Sollte das Ökostromgesetz nicht Windstromgesetz heißen?

Gestern war der große Tag, wo das neue Ökostromgesetz in Kraft getreten ist. Es hat medial nur wenig Aufmerksamkeit erregt und bis auf einige wenige Pressemeldungen (WKO, Land NÖ, Lebensministerium) wurde nicht viel darüber diskutiert.

Überall wird ziemlich unisono berichtet: Endlich neues Ökostromgesetz, Mehr Geld für Windkraft, 21 Mio. Förderung, … Ich habe noch keine kritische Auseinandersetzung gefunden, die sich damit beschäftigt, was diese neue Verordnung nun bewirken wird. Hier eine erste Prognose, beginnend mit einer Auflistung der Tarife:

Wind:  9,7ct/kWh

Photovoltaik:

  • 5-20 kWp Gebäudeintegriert: 38ct/kWh → richtiger Weg!
  • > 20 kWp Gebäudeintegriert: 20ct/kWh
  • 5-20 kWp Freifläche: 35ct/kWh
  • > 20 kWp: 25ct/kWh

Biogas

  • bis 250 kW 18,5 Cent/kWh
  • bis 500 kW 16,5 Cent/kWh
  • über 500 kW 13 Cent/kWh
  • zustäzlich gibts noch Zu-und Abschläge für diverse Leistungsklassen

Fällt Ihnen etwas auf? Warum gibt es so viele Unterteilungen bei PV und Biogas und nur eine Klasse bei Wind? Wer wird diese Windräder bauen? Private Haushalte oder EVU’s? Werden eher mehrere kleine oder wenige große Windparks gebaut werden?  Wo wird der Großteil der 21 Millionen Förderung hinfließen?

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