Solare Infrastruktur funktioniert anders

Zwei Meldungen im aktuellen Trend lassen aufhorchen: Zwentendorf soll nach Plänen der EVN zum größten Solarkraftwerk Österreichs werden, der Verbundkonzern möchte vom beginnenden Trend zu Elektroautos profitieren und ein Netz von Stromtankstellen errichten. Good News, erstmal. Beide haben sich ja in diesen Geschäftsbereichen bislang eher zurück gehalten, höchste Zeit, dass sich da etwas tut.

Zweifel, ob dabei der richtige Weg gegangen wird, kommen dennoch auf. Der große Vorteil solarer Energie -  ob Fotovoltaik oder Wind – liegt darin, dass sie überall anfällt, überall geerntet werden kann. Solare Infrastruktur ist dezentral. Sollte die EVN versuchen, das zentralistisch-monopolistische Konzept mit Großkraftwerken (nur so konnten Kraftwerke wie das verhinderte AKW Zwentendorf überhaupt realisiert werden) auf das solare Zeitalter zu übertragen, wird sie damit scheitern.

Der Verbund wiederum spricht davon, bei den Tankstellen solle ein Tarifmodell angewandt werden, das günstigere Aufladung der E-Mobile erlaubt, wenn sonst wenig Strom nachgefragt wird. Also in der Nacht. Gut so, vernünftig. Aber auch hier sollte man, wenn das denn funktionieren soll, eher von einem Tank-Netz als von Tank-Stellen sprechen. Die Anschlüsse müssen  – besonders im urbanen Bereich – dorthin gebracht werden, wo die Autos ohnehin über Nacht stehen. Denn wenn man von Besitzern von Elektroautos verlangen sollte, ihre Nachtruhe zu unterbrechen um ihr Gefährt aufzuladen, wird man ebenso Schiffbruch erleiden.

Bleibt zu hoffen, dass EVN und Verbund das verstanden haben. Dann sind die im Trend berichteten Initiativen auf alle Fälle positiv.

Menschliche Heiz-Körper

Die staatliche schwedische Immobilienverwaltung Jernhuset setzt auf den Menschen – und zwar als Heizkörper. Am Hauptbahnhof Stockholm will man die Körperwärme der täglich etwa 250.000 Reisenden nutzen, um damit ein 13-stöckiges Bürogebäude zu heizen. Der Mensch als Heizung sei keine neue Idee, man brauche “nur Wasser, Pumpen und Rohre”, so der Projektleiter. Nach er Fertigstellung 2010 sollen die Heizkosten für das Bürohochhaus um 20% verringert werden. Investitionssumme dafür: 21.200 Euro.

Fossile Energie: Droht uns die nächste Krise?

Dieser Blog-Eintrag ist mir nicht leicht gefallen: Ich war gestern bei einem Vortrag von Dr. Hans Kronberger, Präsident der Photovoltaic Austria, zum Thema “Kein Öl, kein Gas, gute Nacht Europa!“. Der Biomasseverband hat in der Akademie der Wissenschaften dazu eingeladen. Jetzt sind wir gerade mitten in einer der größten Finanzkrisen, die die Welt je gesehen hat – von einer Bewältigung derselben dürften wir noch weiter entfernt sein – und ich hocke in einem Vortrag über die nächste Gefahr: Eine Energiekrise ungeahnten Ausmaßes bedroht Europa in den kommenden Jahren.

Photovoltaic statt Gas (Fotomontage: Raiffeisen-Leasing)So zumindest zeichnet der Vortragende Hans Kronberger das Bild: Die Gasreserven werden zunehmend knapp. Die EU wird im Jahr 2020 – so Kronberger – 25 % des benötigten Erdgases nicht bekommen! Die Preise werden drastisch steigen. Kronberger erzählt von Aktivitäten der russischen Gazprom, die sich die Gasvorkommen von Lybien und Algerien sichern, letztlich um die Gasversorgung Europas unter ihre vollständige Kontrolle zu bekommen. Diese Aktivitäten, die sich im wesentlichen in den letzten 24 Monaten abgespielt haben, würden von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Das ist nur eine Facette einer düsteren und vor allem dramatischen Entwicklung am fossilen Energiesektor. Er spitzt es zu und bezeichnet Europa als “Gas-Junkie”, das demnächst in der vollständigen energietechnischen Abhängigkeit Russlands steht.

Die EU ist in dieser Frage zerstritten und ohne Perspektive, meint Kronberger und fordert eine Initiative Österreichs, sich auf den Weg zur energietechnischen Unabhängigkeit zu begeben. Er bricht eine Lanze für die Photovoltaic und meint, dass spätestens 2015 der Durchbruch beim Preis für Solarenergie erfolgen wird. Wahrscheinlich schon früher, wenn man sich die letzten Preissteigerungen ansieht. Aber so lange sollen und dürfen wir nicht warten. Wir müssen jetzt beginnen, Photovoltaic zu nutzen, die Technik sei ausgereift. Österreich kann beweisen, dass Energieunabhängigkeit umsetzbar ist.

Warum mir dieser Blog-Eintrag nicht leicht gefallen ist. Weil ich grundsätzlich ein Optimist bin, der gestrige Vortrag mich aber doch einigermaßen depremiert hat. Ist es tatsächlich so schlimm? Wird Kronberger einer jener sein, von denen man in 10 Jahren sagen wird, er hätte damals schon darauf hingewiesen? Sind solche Vorträge und Informationen bloße Schwarzmalerei und Öko-Radikalismus? Wieviel Zeit bleibt noch für die Energiewende in Europa? Und: Wie bewältigen wir eine derartige Energiekrise, wo wir doch gerade mitten in der Finanzkrise stecken?

Eines fällt mir jetzt beim Schreiben schon ein: Ein umfassendes Investitions- und Förderprogramm der öffentlichen Hand für Ökoenergieprojekte! Der Staat ist – angesichts der Finanzkrise ohnehin gefordert zu investieren – jetzt geht es vor allem darum in die richtigen, zukunftsweisenden Projekte zu investieren! Fordern wir die Energiewende, jetzt!

Bericht auf Photovoltaic Austria

Antwort zum Kommentar von Ingo Oberortner:

Zum Thema “Photovoltaic ist noch zu teuer bzw. was kann man tun, damit es auch für Private erschwinglich wird” hat eine Frau aus dem Publikum der Veranstaltung gemeint, dass man beim Auto oder beim Urlaub derartige Wirtschaftslichkeitsfragen nicht oder kaum gestellt werden. Sie plädierte dafür, dass man sich auch schon jetzt Sonnenenergietechnologie leisten sollte. Ihr jedenfalls mache es Spaß, wenn sie täglich sieht wie ihr Elektroauto mit Solarenergie aufgetankt wird. Außerdem – so ließ mich der Vortrag auch schließen, sind alle gestrigen Wirtschaftlichkeitberechnungen Makulatur: Die fossilen Energiepreise werden derart steigen, dass sich eben schon sehr bald (weit vor 15 Jahren) die Alternativenergieträger rechnen. Außerdem: Man halte sich immer vor Augen: Die Sonne, der Wind selbst bleiben immer gratis!

Mein Fazit daraus: Wären wir nur überall so kritisch bei der Wirtschaftlichkeit gewesen, dann hätten wir wahrscheinlich die Probleme gar nicht, die wir heute haben.

Sonnige Zukunft für PV

In Salzburg ist der Materialwissenschafter Herbert Dittrich billigen PV-Zellen einen großen Schritt näher gekommen. Er ersetzt Silzium durch Sulfosalze, die Zellen werden damit um etwa 25% billiger. Noch ist der Wirkungsgrad gering, doch Dittrich schätzt, dass „in 20 Jahren auf den Dächern Salzburgs billige Sulfosalz-Solarmodule installiert sein“ werden.

Eine andere Strategie verfolgt die Solar Energy Materials Initiative der Universität Oxford. Organische Solarzellen – anders gesagt: Solarzellen aus Plastik. Im Moment liegt ihr Wirkungsgrad mit etwa 5%  weit unter jenem von Zellen aus Silizium. Doch die billigen Erzeugungskosten, der großflächig mögliche Einsatz in Dünnschichten sowie eine Reihe weiterer Vorteile, die aufgrund der Materialeigenschaften gegeben sind, machen diese Alternative extrem spannend.

Fest steht also: Photovoltaik wird billiger und in großem Stil einsetzbar werden. Österreich könnte bei der Entwickung vorne dabei sein. Doch dazu braucht es ein echtes Bekenntnis von der Politik und seitens der Wirtschaft. Letzteres ist zunehmend vorhanden. Doch die Politik muss erst aufwachen.

Weltsensation? Durchbruch bei der Speicherung von Sonnenenergie

Daniel G. Nocera (MIT)Das MIT, das Massachusetts Institute of Technology, meldete am 31. Juli 2008 eine bedeutende Entdeckung, die das Zeug dazu hat, die Solartechnologie zu revolutionieren. Daniel G. Nocera, Professor am Energieinstitut am MIT hat eine einfache Methode entwickelt,  wie man Wassermoleküle (H2O) in Sauerstoff (O2) und Wasserstoff (H) aufsplitten kann. Die Technologie ist derartig einfach, dass sie ohne weiteres für eine industrielle Nutzung in großem Stil geeignet sei.
Das besondere daran ist, dass auf diese Weise erstmals Solarenergie gespeichert werden kann: Der Prozess zur Umwandlung orientiert sich an der in den Natur stattfindenden Prozesse der Photosynthese. Die Energie wird dazu in Sauerstoff- und Wasserstofftanks gelagert und bei Bedarf – also z.B. Nachts oder bei Windstille – zum Antrieb eines Wasserstoff-Generators verwendet. Und weiter: Der Wissenschafter ist der Ansicht, dass wir mit dieser Technologie “ernsthaft darüber nachdenken können, unbeschränkt Sonnenenergie weltweit zur Verfügung zu haben – und das sehr bald”.

Gigantischer Sprung zu einer reinen Energiequelle

Die Sonne liefert in einer Stunde mehr Energie zur Erde, wie weltweit für ein Jahr (!) benötigt würde. Die Materialien zur Herstellung der Technologie ist im Überfluss vorhanden und ungiftig. Die Verbrennung von Sauerstoff und Wasserstoff erfolgt ohne jede CO2-Produktion, also ohne klimaschädliche Nebenwirkung. Nocera hat die Vision, dass in 10 Jahren jeder Hausbesitzer seine eigene Energie produzieren kann. Vom Licht über die Wärme, bis zum Strom für das Elektrofahrzeug.

Es bleibt wirklich zu hoffen, dass diese Entdeckung der Schlüssel für die Energiezukunft ist, dann hätte die Menschheit einen großen Schritt gemacht.

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