Ist Gas die Speicherlösung der Zukunft?

Gasdieb in China (National Geographic News)

 

Der letzte Beitrag zur Blogserie Speichertechnologien ist bereits eine Weile her. Nachdem nun das Thema Methanspeicherung wieder etwas in die Öffentlichkeit gerückt wurde (Artikel im Wirtschaftsblatt), ist das ein guter Zeitpunkt um auf dieses Thema einzugehen. Ich finde es übrigens sehr interessant, dass sich die Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) mit diesem Thema beschäftigt. Eindeutiger kann man wohl nicht sagen, dass die Ölära zu Ende geht. Das Bild sagt überdies auch einiges über die Energiezukunft aus.

Gas als Überbleibsel der fossilen Ära

Gas wird  bereits seit einiger Zeit als die einzig komplementäre (noch) fossile Energieform zu Erneuerbaren gehandelt. Auch der Energieexperte Claude Turmes vom Europäischen Parlament hat dies bei seiner Rede in Wien bei Konfliktfeld Energiepolitik zugeben müssen. Die Argumente sind einleuchtend: Kohle- und Atomkraftwerke haben schlichtweg eine zu lange Anlaufzeit, um die Fluktuationen im zukünftigen Energiemarkt ausgleichen zu können. Gaskraftwerke können einfach ein- und wieder ausgeschalten werden. Diese News sind nicht erfreulich, wenn das Gas aus Russland oder sonstwo herkommt, jedoch durchaus sinnvoll, wenn das Gas aus Überschüssen von Wind und Sonne hergestellt wird.

Natur speichert Energie auf diese Weise

Das Fraunhofer Institut forscht bereits seit einigen Jahren an dieser Technologie. Es ist bekannt, dass aus überschüssigem Strom Wasserstoff hergestellt werden kann. Um jedoch vorhandene Infrastruktur für die Verteilung nutzen zu können, muss dieser Wasserstoff in Methan umgewandelt werden.  Michael Sternler vom Kasseler Fraunhofer Institut erklärt das Verfahren in diesem Artikel folgendermaßen:

“Das Ganze ist ein chemischer Prozess, ein chemisches Verfahren, der Sabatier Prozess heißt. Man nimmt Wasserstoff und CO2. Die reagieren zusammen zu Kohlenstoffmonoxid und Wasser. Das Kohlenstoffmonoxid reagiert weiter mit einem anderen Teil vom Wasserstoff zu Methan, zu CH4 und dabei entsteht auch wieder Wasser. Das ist der gleiche Prozess, wie die Natur für lange Zeit Energie speichert.”

Natürlich geht in diesem Prozess ein nicht unbeachtlicher Teil der Energie verloren. Wenn aber in Zukunft zur Mittagszeit ein enormer Energieüberschuss im Netz ist, muss diese Energie entweder in überdimesionalen Glühbirnen verbrannt, oder damit eben Methan erzeugt, bzw. in anderen Speichern gelagert werden.

Speicherlösung für Industrie und Fernverkehr

Für mich klingt die Lösung sehr einleuchtend. Sie steht in meinen Augen auch in keinem Gegensatz zum Einsatz von Batterien und Elektroautos. Die kleinteiligen Strukturen (Häuser, Stadtverkehr) können mit der Kombination aus Elektrofahrzeugen als Speicher und kleinen Stromerzeugungsanlagen bedient werden (PV, Kleinstwasser und Windkraft). Die noch ungelöste Energielücke bei Industrie und Fernverkehr kann mit Methan, also künstlichem Erdgas gelöst werden. Erdgas-LKWs sind bereits Realität und die Unmengen an Strom, die die Industrie zu jeder Tageszeit benötigt, kann aus den Methanspeichern und Pumpspeicherkraftwerken bereitgestellt werden. Nicht zu vergessen, die Energiedichte, also der Platz den eine kWh eines Energieträgers einnimmt, ist bei Methan um das Dreifache kleiner als bei Wasserstoff.

Ach ja, um diversen Angriffen vorzubeugen: Das soll nicht bedeuten, dass ich deshalb für den Ausbau von Gasnetzen bin. In Österreich sind wir diesbezüglich bereits bestens versorgt (Stichwort: Infrastruktur bereits vorhanden) und wie gesagt muss die kleinteilige Versorgung ohnehin regional erfolgen.

Foto: Gasdieb in China | National Geographic News| China Newsphoto/Reuters/Corbis

 

Event:Universitätslehrgang „Renewable Energy in Central & Eastern Europe

renewable-energy-talk_2009.pdf

Continuing Education Center – TU Wien

Renewable Energy Talk” an der TU Wien – Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich „Erneuerbare Energie” – AbsolventInnen stellen ihre Master Thesen vor!

Datum: Freitag, 06.03.2009, 14.00 Uhr
Ort: Technische Universität Wien, Festsaal und Boecklsaal

Programm:
• Begrüßung durch Vizerektor Prof. Hans Kaiser
• Überblick über die Master Thesen durch Prof. Helmut Drobir (Lehrgangsleiter)
• Gastvortrag von Mag.(FH) Bakk. Oksana Pavliska (Agro Service Austria)
• Vorstellung der Master Thesen
• Fragen und Diskussion

Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist kostenlos. Wir ersuchen um Anmeldung unter newenergy@tuwien.ac.at.

Für Rückfragen und Detailfragen kontaktieren Sie die Vienna University of Technology.

Gas- und Finanzkrise: Wie die Dinge zusammenhängen

In der Zeit im Bild vom 8.1.2009 hat der ORF-Moskau-Korrespondent Georg Dox einen für mich in dieser Deutlichkeit noch nicht wahrgenommenen Zusammenhang auf den Punkt gebracht: Russland will sich mit diesem harten Vorgehen in der Gaskrise auch für die Verluste aus der Finanzkrise schadlos halten. “Russland sieht sich und seine Bevölkerung als Opfer der vom Westen verursachten Finanzkrise” und “wird nun versuchen, aus ihren  Ressourcen soviel wie möglich herauszuholen”, meint Georg Dox.

Dieses russische Verhalten macht natürlich Sinn und es ist zu befürchten, dass – wie auch Dox meint – dies erst der Anfang von dem ist, was uns seitens des russischen Bären noch bevorsteht. Russland wird ein zunehmend selbstbewusster und damit auch schwierigerer Parnter, der seine Bedeutung in der Weltpolitik weiter ausbauen wird. Für Europa heisst dies nun gerade eben Gaskrise. Dies ist der Vorgeschmack auf kommendes. Auch hier erfüllt sich leider, was viele schon seit längerem sagen: Europa wird noch teuer für seine Ressourcenabhängigkeit zahlen. Die Finanzkrise hat hier den Prozess offensichtlich nochmals deutlich beschleunigt. Aber wie gesagt: das ist wohl erst der Anfang.

Wenn uns dann nicht mehr einfällt, wie z.B. die Nuklearenergie zu fördern um die Gasabhängigkeit zu reduzieren,  dann sollten wir unsere Experten mal einer gründlichen Auslese unterziehen.  Georg Günsberg hat dazu einen Beitrag unter dem Titel “Die falsche Nuklear statt Gas-Rechnung” auf seinem Blog verfasst – wirklich lesenswert.