Gas- und Finanzkrise: Wie die Dinge zusammenhängen

In der Zeit im Bild vom 8.1.2009 hat der ORF-Moskau-Korrespondent Georg Dox einen für mich in dieser Deutlichkeit noch nicht wahrgenommenen Zusammenhang auf den Punkt gebracht: Russland will sich mit diesem harten Vorgehen in der Gaskrise auch für die Verluste aus der Finanzkrise schadlos halten. “Russland sieht sich und seine Bevölkerung als Opfer der vom Westen verursachten Finanzkrise” und “wird nun versuchen, aus ihren  Ressourcen soviel wie möglich herauszuholen”, meint Georg Dox.

Dieses russische Verhalten macht natürlich Sinn und es ist zu befürchten, dass – wie auch Dox meint – dies erst der Anfang von dem ist, was uns seitens des russischen Bären noch bevorsteht. Russland wird ein zunehmend selbstbewusster und damit auch schwierigerer Parnter, der seine Bedeutung in der Weltpolitik weiter ausbauen wird. Für Europa heisst dies nun gerade eben Gaskrise. Dies ist der Vorgeschmack auf kommendes. Auch hier erfüllt sich leider, was viele schon seit längerem sagen: Europa wird noch teuer für seine Ressourcenabhängigkeit zahlen. Die Finanzkrise hat hier den Prozess offensichtlich nochmals deutlich beschleunigt. Aber wie gesagt: das ist wohl erst der Anfang.

Wenn uns dann nicht mehr einfällt, wie z.B. die Nuklearenergie zu fördern um die Gasabhängigkeit zu reduzieren,  dann sollten wir unsere Experten mal einer gründlichen Auslese unterziehen.  Georg Günsberg hat dazu einen Beitrag unter dem Titel “Die falsche Nuklear statt Gas-Rechnung” auf seinem Blog verfasst – wirklich lesenswert.

Riesenpotenzial Donauraum

Donau bei Klosterneuburg (Foto: Günter Strobl)Der VCÖ weist seit Jahren auf schlummernde Potenziale der Donauschifffahrt hin. Zuletzt hat eine Aussendung vom Sommer 2008 wieder auf eine leider sehr gegenteilige Entwicklung hingewiesen: Während sich der LKW-Verkehr vervierfacht hat, stieg die Schifffahrt nur um 68 %, berichtet der VCÖ. Die zuletzt vorgenommenen Investitionen z.B. des Wiener Hafens sind grundsätzlich begrüßenswert. Welche Entwicklung es allerdings entgegenzuwirken gilt, zeigt eben das Ausmaß des Güterverkehrszuwachses.

Finanzkrise als Chance

Die Schifffahrt ist ökologisch besser verträglich, das Wachstumspotenzial in CEE wird weiter groß sein, die Straßen sind heute bereits überlastet und die Binnenschifffahrt hat geringere externe Kosten (Unfall- und Gesundheitsschäden). Das alles sind gute Gründe, warum man in diesen Bereich in den kommenden Jahren investieren sollte. Wenn sich also die Staaten heute fragen, wie sie die Wirtschaft wieder ankurbeln, dann sind die Regierungen der Donaustaaten gefordert, diesen Verkehrsweg bei ihren Investitionsprojekten zu berücksichtigen. Äußerst schade wäre es nämlich, wenn die Investitionsanreize auf die falschen Verkehrsträger setzen. Die Finanzkrise bietet also auch eine Chance, die in der nächsten Zeit nur nicht falsch genutzt werden darf. Investitionsprogramme müssen zukunftgerichtete, ökologische Verkehrsträger fördern.