Klimaschutz und Erneuerbare: Ein Schritt vor und zwei zurück

Roger Hackstock, Austria Solar (Foto: Wilke)

Roger Hackstock, Austria Solar (Foto: Wilke)

Schon lange haben wir vor, auch anderen Leuten hier im Blog eine Bühne für Ihre Meinung zu geben. Endlich haben wir unseren ersten Gastbeitrag. Dieser stammt von Roger Hackstock, dem Geschäftsführer des Solarwärmeverbandes Austria Solar. Mit “Ein Schritt vor und zwei zurück” geht er auf die teilweise absurden Entwicklungen im Energiebereich ein.

Der Zug ist weltweit voll in Fahrt

Angesichts stagnierender Solarmärkte in Österreich oder Deutschland habe ich manchmal das Gefühl, die Zeit dreht sich eher zurück als nach vorn. Dann werfe ich einen Blick über die Grenzen und denke: Wow, der Zug Richtung Erneuerbare Energie ist weltweit nicht mehr aufzuhalten. Die Investitionen in Erneuerbare Energie haben sich von 2004 auf 2010 weltweit verfünffacht. Wie sich die Weltordnung zu ändern beginnt: 2010 haben Entwicklungs- und Schwellenländer mit 72 Mrd. Dollar erstmals mehr Geld für erneuerbare Energie aufgebracht als die Industrieländer mit 70 Mrd. Dollar. Den Löwenanteil der 72 Mrd. Dollar stellt China mit 48,9 Mrd. Dollar, 28 Prozent mehr als im Jahr davor. China will auch den CO2-Ausstoß bis 2016 um 17 Prozent senken, praktisch derselbe Plan wie die EU (20 Prozent bis 2020).

Öl und Gas weltweit kaum so billig wie bei uns

Solarunternehmer die in der Welt herumkommen bestätigen mir, dass in vielen Ländern eine unglaubliche Dynamik spürbar ist. Und sie stellen fest, dass kaum wo Gas und Öl so billig ist wie bei uns. Wärme aus Sonne, Biomasse und Geothermie ist daher in vielen Weltregionen heute schon wirtschaftlicher als die fossile Konkurrenz. Wenn man sich vor Augen hält, dass wir weit mehr Erneuerbare Energie zur Verfügung haben als wir derzeit Energie verbrauchen (vor allem direkte Solarenergie) könnte man richtig optimistisch werden.

CO2-Konzentration könnte bedrohlich steigen

Ein Schritt vor und zwei zurück. Gleichzeitig wird weltweit immer mehr Öl, Gas und Kohle verbrannt, was die CO2-Konzentration von derzeit 389 auf 600 ppm erhöhen und die Erdatmosphäre um acht Grad erwärmen kann. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat vor kurzem in Wien seinen “Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation” präsentiert.  Ich war dabei, sehr spannend und auch beunruhigend. Wenn wir mit dem CO2-Ausstoß so weitermachen können alle Küstenbewohner schon mal die Koffer packen, für eine Reise ohne Wiederkehr. Da finde ich es umso ungeheuerlicher, dass in Europa nur halbherzige Pläne geschmiedet werden um dem Klimawandel Herr zu werden.

Heizen und Kühlen meist nur Randthema

Die EU Energy Roadmap 2050 (wird voraussichtlich Mitte Dezember 2011 präsentiert) und die EU Low Carbon Economy Roadmap vom März 2011 sollten aufzeigen, wo am meisten CO2 gespart werden kann. Dabei wird der wichtigste Bereich – 50 Prozent des Energieverbrauches der EU ist Heizen und Kühlen – praktisch ausgespart, nur ein paar vage Absätze finden sich in beiden Dokumenten. Als ob Europa nur bei Strom und Verkehr Klimaprobleme hätte. Auch die kommende EU-Energieeffizienz-Richtlinie ist so gestrickt, dezentrale Wärmeerzeugung mit Solarwärme, Wärmepumpe, Holzheizung ist ein Randthema.

Komplettausstieg deutlich billiger als weitermachen wie bisher

Dabei zeigt der IPCC Bericht, dass der Komplettausstieg aus Öl, Gas und Kohle eindeutig billiger ist, als weitermachen wie bisher: ohne Ausbau der Erneuerbaren steigen die CO2-Vermeidungskosten laut IPCC bis 2100 auf das Doppelte an. Auch billiger Atomstrom ist ein Märchen: Erneuerbare wurden mit steigender Verbreitung billiger, die Kernkraft wurde mit steigender Verbreitung immer teurer, wegen zunehmender Sicherheitsstandards. Richtig teuer wird es, wenn wir weiter Öl, Gas und Kohle in Gebäuden verheizen, dann können wir alle Klimaziele vergessen.

Österreich zahlt Emissionszertifikate statt inländische Wertschöpfung zu fördern

Während die IPCC Folien vorbeirauschten musste ich kopfschüttelnd dran denken, dass entgegen jeder Vernunft immer noch mehr in die Finanzierung des Status Quo investiert wird als in die Energiewende. Ein konkretes Beispiel aus der Solarwelt: Eine thermische Solaranlage zur Heizungsunterstützung erspart während des Betriebs in 20 Jahren rund 40 Tonnen CO2. Würde man in Österreich 750.000 Haushalte mit Solaranlagen ausstatten, würde das insgesamt eine CO2 Reduktion von 30 Millionen Tonnen auslösen. Das entspricht genau der CO2 Menge, die wir zwischen 2008 und 2012 über dem Kyoto Ziel liegen. Für diese Menge kauft Österreich zur Zeit Emissionszertifikate um 500 Millionen Euro. Der Staat könnte – statt Emissionszertifikate zu kaufen – Förderungen ausschütten die fast zur Gänze in die heimische Wirtschaft fließen und in Form von Steuereinnahmen wieder zurückkommen. Und die CO2-Emissionen drastisch reduzieren. Ich frage mich: wieso geschieht das nicht?

 

 

Über Energie und Effizienz

Die Fragen, mit denen ich mich in letzter Zeit ein wenig auseinander gesetzt habe sind: “Was ist eigentlich Energie-Effizienz, was bedeutet es, dass ein Benziner 20% Wirkungsgrad hat, was passiert mit den anderen 80%?”

Ein wenig ausgeholt, ein physikalischer Grundsatz: Energie kann nicht vernichtet, sondern nur umgewandelt werden bzw. Energie kann durch Umwandlung freigesetzt werden. Das bedeutet, dass eine gewisse Menge Energie im Treibstoff gespeichert sein muss, die man durch Verbrennung in mechanische Energie umwandeln möchte. Wenn man ein wenig googelt findet man Energiewerte für Benzin von ca. 8,6 kWh je Liter, bei Diesel sind es ca. 9,8 kWh.

Wieviel Energie benötigt man, wenn man ein Auto bewegen will?

Diese Frage ist von einigen Faktoren abhängig: vom Gewicht, vom Rollwiderstand, von der Frontfläche und vom Luftwiderstand (cw-Wert) des Fahrzeugs. Außerdem ist das Ganze abhängig von der Geschwindigkeit, also ein durchaus komplexer Zusammenhang. Im Internet habe ich dazu einen Rechner gefunden: auto.pege.org Spielt man ein wenig damit, findet man heraus, dass 20% Wirkungsgrad realistisch schwierig zu erreichen sind.
Nun gut, nicht mal 20% der im Benzin gespeicherten Energie werden also in mechanische Energie umgewandelt. Die restlichen 80% verpuffen als Wärme in der Atmosphäre.

Aber wieviel ist das eigentlich?

Wenn man mit 15-25.000 km pro Jahr und einem Verbrauch zwischen 6 und 12 Liter Benzin oder Diesel rechnet, heizt man die Umwelt mit ca 15.000 kWh auf. Das entspricht dem Heizbedarf eines durchschnittlichen Einfamilienhauses, an Niedrigenergiehäuser möchte ich da gar nicht denken.

Ich rechne das einmal Milchmädchenmäßig hoch:
In Österreich fahren heute ca. 5,9 Millionen Fahrzeuge, also: 5,9 Mio. Fahrzeuge mal 15.000 kWh = 88,5 TWh Heizleistung. (1 TWh [TerraWattStunde] = 1.000.000 kWh)
Ich finde das erschreckend viel.
Im Vergleich dazu strahlt die Sonne im Jahresschnitt auf die Fläche von Östereich mit einer Energie von ca. 300 TWh. 80 EWh. Durch das Fahren mit fossilen Treibstoffen heizen wir die Umwelt zusätzlich auf.

Ein anderer Vergleich: Der Stromverbrauch Österreichs betrug im Jahr 2008 63,454 TWh. (www.umweltbundesamt.at)

Quellen:
www.statistik.at

www.desertec.org
de.wikipedia.org
de.wikipedia.org
auto.pege.org

Gutes Klima für 1% des BIP

Für weniger als 1% des globalen BIP sei es möglich, die weltweite Erwärmung unter 2 Grad zu halten. Oder anders ausgedrückt um – im Vergleich zu den Mitteln, die die Finanzkrise gerade kostet – erstaunlich geringe 530 Milliarden Euro weltweit könnten die Co2-Emissionen bis 2020 um 30% reduziert werden (im Vergleich zu einem Szenario ohne solche Investitionen). Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie von McKinsey, die gestern präsentiert wurde.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen in der Politik die Ergebnisse  zu Herzen nehmen, bevor sie das für die Umsetzung benötigte Geld für sinnlose Verschrottungsprämien verjubeln.

Green-IT: Es beginnt zu wirken

Horst Bratfisch zeigt Einsparungen (Foto: G. Strobl)Ich war heute auf einer Veranstaltung von Fujitsu-Siemens bei der unser befreundetes Unternehmen Raiffeisen-Informatik (R-IT) den Hauptvortrag gehalten hat. Horst Bratfisch, Bereichsleiter in der R-IT,  stellte das Projekt Virtualisierung bei einem Business Breakfast vor.  Als Verantwortlicher für IT wollte ich mich eigentlich nur zu diesem sehr technischen Thema wieder auf den aktuellen Stand bringen. Aber dann:

Virtualisierung und Klimaschutz

Virtualisierung von Computerservern bedeutet viele einzelne physische Server auf einige wenige Geräte zu transferieren. Das spart Strom, Netzwerkanschlüsse – letztlich physische Ressourcen. Was mich dabei überrascht hat, welch großes ökologisches Potenzial in dem Thema liegt. So bewusst war mir das bis jetzt nicht. Im vorgestellten Projekt der R-IT wurden z.B.  120 Server auf zwei (!) Geräte reduziert. Es ist augenscheinlich, dass die Virtualisierung ein riesiges Einsparpotenzial für Rechenzentren bildet – und dies ohne Leistungsverluste. Das ist natürlich gut für die Kostenstruktur aber eben auch sehr bedeutend für den Klimaschutz. Ich bleibe da am Thema dran!