Förderung fossiler Energieformen und die alles entscheidende Frage der Kostenwahrheit

Im Guardian ist im Jänner einer der besten Artikel zum Thema “Subventionen von fossilen Energien” erschienen. Es handelt sich dabei um eine “Tour of Data” bei dem alle relevanten Infos komprimiert dargestellt sind. Wer den Blog hier schon länger liest, weiß, dass auch mich dieses Thema schon lange beschäftigt (siehe Subventionen fossiler Energien und Was Strom wirklich kostet). Ich bin auch nach wie vor mit der OECD in Kontakt um genaue Daten über Österreich zu bekommen. Die Kollegen dort sind zwar immer sehr zuvorkommend, aber leider ist Österreich noch immer nicht im Detail erhoben  und noch immer zu klein… falls aus der Leserschaft jemand hier aktuelle Informationen hat, freue ich mich sehr über Hinweise.

Bis dahin müssen wir uns mit globalen Daten zu diesem Thema begnügen und hier sind brandaktuelle Informationen aufgetaucht. Dieses Mal nicht von Greenpeace oder der OECD, sondern von niemand geringerem als Faith Birol, dem Chef der Internationalen Energieagentur (IEA). Er sagt, frei übersetzt:

“Eine Streichung der Förderungen für fossile Energieträger wäre schon die halbe Lösung des Klimaproblems.”

Nach Jahren der Negierung auch nur irgend gearteter Subventionen für fossile Energien, scheint es nun international eine Diskussion zu diesem Thema zu geben.

Förderung fossiler Energieträger (c) Guardian

In der Grafik ist klar zu erkennen, wie die Gelder weltweit verteilt wurden. Ich weiß nicht genau was den Peak 2008 verursacht hat, aber damals ging der Ölpreis erstmals durch die Decke, vermutlich wurde hier noch einiges nachgeschossen um die Energie noch halbwegs billig zu halten bevor die Wirtschaft zum ersten Mal gecrasht ist. Das ist aber wie gesagt reine Vermutung.

Energiemix und Anschubkosten

Der Fairness halber ist auch festzuhalten, dass der Energiemix derzeit auch (oder eben deshalb) noch anders aussieht. In einem früheren Beitrag wurde der Weltenergiemix ja bereits beleuchtet. Auch wenn die Subventionen im Vergleich zum Beitrag gering erscheinen ist auch immer daran zu denken, dass der Großteil der fossilen Förderung zu Beginn ihres Zeitalters nötig waren. Nur mit dem Unterschied, dass einmal marktreife erneuerbare Energien keine weiteren Subventionen mehr benötigen oder noch besser – ohne künstlich günstig gehaltene fossile Energien ohnehin bereits marktreif wären.

Kostenwahrheit in ungeförderten Regionen

In letzter Zeit höre ich immer öfter wie erneuerbare Energien vor allem dort erfolgreich sind, wo die Marktpreise nicht durch Förderungen verzerrt sind und nie wurden. Also dort wo der Markt tatsächlich funktioniert. Ich werde mir das noch genauer ansehen und Beispiele bringen, weil man dort vielleicht auch zu einer gewissen Kostenwahrheit kommt.

Was kostet wohl die kWh wenn von keiner Seite subventioniert wird, was meinen Sie?

 

Energie sparen mit Luxushühnern, Ökostrom und Sommertemperatur im Winter

(c) Fotolia Energie sparenEndlich eine Blogparade im Energiebereich zum Thema Energie sparen! Nach den furchtbaren Ereignissen in Japan wird dieses Thema einfach immer wichtiger, deshalb schließe ich mich an. Ich würde mich über weitere österreichische Blogger freuen, jeder der schreibt, bekommt ein Strommessgerät. Ich werde hier bewusst auf das Thema Energiesparen und nicht Geldsparen eingehen. Natürlich ist dies oft ein guter Nebeneffekt, aber die Tipps hier, zielen in erster Linie auf das Einsparen von Energie.

Die klassischen Themen über stromfressende Gerätschaften im Haushalt lasse ich Technikleute beantworten. Hierzu habe ich nur zu sagen, dass der Kühlschrank eines der ersten Geräte sein sollte, welcher A++ Standards entspricht. Er läuft schließlich 24/7. Ich persönlich habe mich vor 2 Jahren für ein A-Gerät entschieden, weil mir damals erstens noch nicht bewusst war, wie groß der Unterschied zwischen A und A++ ist und zweitens weil ich noch nicht wusste, welch grossen Anteil der Kühlschrank am Gesamtverbrauch (15-25%) hat.

1. Energiespartipp: Teuren Ökostrom kaufen

Ja, richtig gelesen! Manchmal muss sich der Mensch eben selbst überlisten. Wenn Energie so billig ist, dass man sie gerne aus dem Fenster rausheizt/schmeisst, muss man sie selber teurer machen, wenn das der Staat schon nicht tut. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Umstieg auf einen etwas teureren Ökostromanbieter (natürlich 100% Anbieter) tendenziell zu einer Senkung des Energieverbrauchs führt. Manchmal in so großem Umfang, dass letztendlich weniger auf der Rechnung steht. Ein solcher Umstieg geht meist mit einer positiven Bewusstseinsentwicklung einher. Energiesparende Lampen werden eingesetzt, das Licht mal abgedreht, wenn man in einem anderen Raum ist und nicht zuletzt, der grösste Hebel: Die Heizung wird optimal eingestellt oder Dämmmaßnahmen getätigt. (weiterlesen …)

Paradigmenwechsel in der Energiewirtschaft – Umdenken hilft!

Die Premiere des Films The 4th Revolution – Energy Autonomy  (unbedingt ansehen!!) ist zwar schon eine Weile her, ich möchte jedoch trotzdem auf ein paar Punkte die Hermann Scheer im Film und bei persönlichen Gesprächen erwähnt hat, eingehen. Der Eindringlichste und für mich wichtigste Punkt ist der Paradigmenwechsel in der Gesellschaft. Solange wir noch immer meinen, dass ökologisch und sozial gerechtes Handeln eine wirtschaftliche Last bedeutet, wird sich nichts Großartiges ändern. Wenn diese Chance aber erkannt wird, können alle davon profitieren!

Was hat es aber nun damit auf sich? Im Bereich der Energie wird der Paradigmenwechsel dann passieren, wenn auf breiter Front (einschließlich der politischen Entscheidungsträger) erkannt wird, dass es zum Beispiel nett ist, billiges Gas aus Russland zu kaufen; es aber volkswirtschaftlich viel, viel sinnvoller wäre, den Großteil der benötigten Energie im Land selbst zu produzieren. Da wir (soweit mir bekannt) auf keinen Gas- oder Ölreserven sitzen, funktioniert die Eigenproduktion aber lediglich mit Erneuerbaren Energieträgern.

Es it zwar anfangs teurer, wenn die Energieversorger an Kunden Einspeisetarife zahlen, aber dieses Geld fließt anstatt nach Russland oder Abu Dhabi an viele private Haushalte. Jeder Bürger hätte die Chance auch Produzent statt nur Konsument zu werden. Jeder könnte sein eigenes kleines Kraftwerk haben (mit Backup von Wasserkraft- und Biomasseanlagen) und damit Geld verdienen, dass er auch hierzulande wieder ausgeben kann und dabei natürlich Steuern zahlt und die Wirtschaft ankurbelt.

Haben Sie schon einmal überlegt wieviele der Milliarden, die jeder einzelne Bürger für Öl- und Gasimporte bezahlt, wieder in Österreich ausgegeben werden?  Das Geld welches in Österreich bleibt, ist nur der winzige Teil, den sich die Energieversorger in Form einer Marge für die Funktion als Zwischenhändler behalten. Der Großteil liegt aber auf Konten von Wenigen, die einfach nicht mehr die Möglichkeit haben, all die Milliarden, die aus aller Herren Länder auf ihre Konten fließen, wieder auszugeben. Letztendlich werden zum Beispiel irrwitzige Projekte wie das 2-Billion-Dollar Haus gebaut. Davon hat die Österreichische Volkswirtschaft reichlich wenig, oder? Wie viel sinnvoller wäre es, wenn diese 2 Milliarden auf viele Haushalte aufgeteilt wären? Dann ist es natürlich um ein vielfaches leichter, das Geld auch wieder in den Wirtschaftskreislauf einzubringen.

Wenn das mal in die Köpfe reingeht und erkannt wird, dass eine Demokratisierung der Energie (Scheer) wirklich möglich ist und viele, viele, Energieerzeuger die fossilien Energieträger schrittweise ersetzen können, dann haben wir eine echte Chance vor uns. All das funktioniert aber leider nur mit geeigneten Rahmenbedingungen. Solange keine Kostenwahrheit zwischen fossilen und Erneuerbaren Energieträgern herrscht, werden die Erneuerbaren auf den ersten Blick nicht mithalten können. Wenn man aber genauer hinschaut und die gesamte Wertschöpfung bishin zu Umweltschäden und volkswirtschaftlichen Nebeneffekten betrachtet, sieht die Sache womöglich anders aus.

Leider gibt es noch keine objektiven Studien, die den Sachverhalt in seiner Komplexität darfstellen und ich möchte auch hier keine Berechnungen strapazieren, da ohnehin schon viel zu oft Äpfel mit Birnen verglichen wurden.  Nur ein Beispiel: In Deutschland wird die Erhöhung der Strompreise zum Großteil als Folge der PV-Förderung  propagiert. Komisch, in Österreich steigen die Preise auch massiv – nur können sich die EVUs hierzulande leider nicht auf die Erneuerbaren ausreden.

Deshalb mein zugegebenermaßen naiver Wunsch: Kostenwahrheit! Wie soll der Konsument oder die Wählerin entscheiden welche Studie nun stimmt und bei welchem der Szenarien mehr der heiligen Steuergelder verprasst werden. Mein persönlicher Zugang: Nur weil kein Massenmedium die Steuerausgaben für fossile Energieträger und Atomenergie veröffentlicht, heißt das nicht, dass sie nicht existieren.