Amortisationszeit von Erneuerbaren – ein Aufräumen mit Mythen

Gestern – im Kreise zahlreicher Energieinteressierter – hat ein Mitarbeiter eines EVU’s das ich jetzt nicht nennen werde,  behauptet:

“Die Energie die ein Photovoltaikmodul für seine Erzeugung benötigt, produziert es über seine gesamte Lebensdauer nicht.”

Wie bitte? Diese Aussage, welche schon lange zur Kategorie “Energielegende” gehört, kursiert tatsächlich noch unter uns!?! Noch dazu unter Menschen, die sich mit dem Thema Erneurbare Energien ernsthaft auseinandersetzen??

Deshalb hier ein kurzer Beitrag zum Thema. Leider sind sich die unterschiedlichen Studien, ähnlich wie bei den Externen Kosten nicht einig; nichtsdestotrotz sind sie eine Indikation. Die verwendeten Quellen sind  teilweise schon relativ alt. Für Hinweise auf aktuellere Zahlen bin ich dankbar. Man kann aber davon ausgehen, dass sich die Werte seitdem noch um einiges verbessert haben.

Begriffe, die in diesem Zusammenhang verwendet werden sind der “Erntefaktor” und die “Energetische Amortisationzeit“.

Der Erntefaktor beantwortet die Frage wie oft man die hineingesteckte Energie über die Laufzeit wieder herausbekommt.

Die energetische Amorisationszeit ist die Zeit, die ein Energiesystem benötigt, um die Energie bereitzustellen, die zur Herstellung, zum Betrieb und zur Entsorgung eingesetzt worden ist.

Wasser- Wind- und solarthermische Kraftwerke amortisieren sich nach 3- 13 Monaten und haben einen Erntefaktor zwischen 24 und 200.

Für Photovoltaikanlagen gibt es Angaben der energetischen Amortisationszeit von  1-5 Jahren bzw. einem Erntefaktor zwischen 2 und 38.  Hier gibt es riesige Unterschiede je nach Lage (zB. Südeuropa) und verwendetem Modul. In der Branche spricht man derzeit von 1-1,5 Jahren Amortisation für Dünnschichtmodule und ca. 2,5 Jahre fü kristalline.

Für fossile Anlagen gibt es diese Angaben ebenfalls. Erneuerbare Energie Gegner argumentieren häufig mit einem sehr hohen Erntefaktor für fossile Energien (zwischen 100 und 200), wobei meist nur die Herstellungsenergie für das Kraftwerk miteingerechnet wird, nicht aber der laufende Input, der bei fossilen Kraftwerken notwendig ist. Nachdem die hineingesteckte Energie nie zu 100% verwertet werden kann (Wirkungsgrad ca. 30%) gibt es bei fossilen Kraftwerken de facto keine energetische Amortisation.  Die Lobby sieht das natürlich anders (siehe hier).

Einmal mehr wird deutlich, dass wir mit Pauschalaussagen nicht weiterkommen. Mit wirklicher Genauigkeit kann man ein Urteil nur nach Standort und verwendeter Technologie fällen. Es wird auch an entsprechenden Kennzeichnungen gearbeitet um diese Information transparenter zu machen.

Nachtrag:

Nach Veröffentlichung des Beitrags wurde mir eine aktuellere Quelle zum Thema PV zugespielt. Sie entspricht zwar dem, was ohnehin schon gesagt wurde, zeigt aber die Entwicklung der letzten Jahrzehnte und enhält außerdem noch andere spannende Daten. Der für uns relevante Teil ist die letzte Spalte. Demnach amortisiert sich eine durchschnittliche Anlage bei einer Einstrahlung von 1300 kWh/kWp  in weniger als 2 Jahren, tendenz fallend. Diese Eintrahlungswerte gibt es bereits im Norden Italiens. Für Österreich bei durchschnittlich 1100 kWh/kWp wird die Amortisationszeit ein wenig höher sein.

Photovotaic Technology Platform

Quelle: European Communties 2009, Photovoltaic Technology Platform: Today‘s actions for tomorrow‘s PV technology

ARD Monitor: Die Lüge vom teuren Ökostrom

Ein 9-Minuten-Beitrag im ARD Magazin Monitor deckt anhand einer Studie zum Ökostrom auf, wie die Lobbyarbeit der großen Energiekonzerne funktioniert. Im Hintergrund der Studie steckt das Institute for Energy Research, einer US-amerikanischen  Lobbyagentur, die vorwiegend die Interessen der Ölindustrie vertritt. Und so funktioniert deren Meinungsmache in Deutschland: