Ein Wochenende mit dem TH!NK City – Tag 4
Das Wochenende geht zu Ende, heute früh hatte der THINK die Aufgabe, ihn zurück und mich in die Arbeit zu bringen. Das klappte auch ganz gut. Allerdings brachte es durch die diversen Staus in Wien keinen wesentlichen Zeitgewinn zur Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, auch wenn ich erst ab Eisenstadt mit einem Eilkurs unterwegs sein kann.
Dafür konnte ich eine andere Eigenheit des Autos kennenlernen, die auch im Hinblick auf den Transport von Kindern von Relevanz ist: In der Früh war es recht kühl, unter 10°C. Das Auto stand im Freien, und so schaltete ich die Heizung ein. Bei einem normalen Auto wird zur Innenraumbeheizung die Abwärme des Verbrennungsmotors verwendet, aber beim THINK muss eine elektrische Heizung für angenehme Temperaturen im Fahrgastraum sorgen. Das Auto kommt aus Norwegen, also ist die Heizung auch für unsere Breitengrade ausreichend dimensioniert, sodass ich sie nach einer Aufheizphase wieder abschalten konnte. Der Verbrauch der Heizung wird ebenfalls am rechten Instrument angezeigt – der Zeigerausschlag ist beim 3,5kW-Heizelement natürlich wesentlich geringer als beim 17kW-Motor (Nennleistung gemäß Motortypenschild). Bei Minusgraden oder Langsamfahrten verringert die Heizung merkbar die Reichweite.
Die Fahrt brauchte wie schon die Fahrt ins Burgenland die Hälfte der Akkukapazität, d. h. der Zeiger stand am Ende genau an der 50%-Markierung der 65-Kilometer-Strecke. Also dürfte die Reichweite in meinen Testbedingungen bei 130 Kilometer liegen.
Der gestrige Ladevorgang begann auch bei 50%, sodass ich die gemessenen Werte durchaus auf die Fahrt beziehen kann. Im Ladevorgang im Normalmodus fließen maximal 10 Ampere, in meiner Messung sogar nur 9,6A. Im Laufe des Ladevorgangs ging der Strom etwas zurück. Die Ladezeit betrug etwa 6,5 Stunden, danach wurden zur Ladungserhaltung und Beheizung der Zebra-Batterie 360 Watt verbraucht. Die Batterie muss ständig auf einer Temperatur zwischen 260°C und 350°C gehalten werden – davon merkte ich im kalten Auto aber nichts. Bei den neuen Modellen mit Lithium-Ionen-Akku ist keine Batteriebeheizung mehr notwendig, was sich positiv auf die „Selbstentladung” auswirkt: Der Zebra-THINK sollte nie mehrere Tage ohne Steckdose herumstehen.
Die Reaktionssubstanzen der Zebra-Batterie sind die ungefährlichen Substanzen Kochsalz und Nickel. Der Wikipedia-Artikel ist interessant und erklärt auch den Namen.
Zuletzt noch eine Kostenbetrachtung: Der Ladevorgang brauchte bei mir 18,7kWh, inklusive Erhaltungsladung danach. Das Auto steckte 14 Stunden 20 Minuten am Strom. In meinem Stromtarif zahle ich 16,79 Cent/kWh, d. h. die Ladung kostete mich 3,14 €. Zum Vergleich: Unser Familienauto braucht 6,0 Liter/100 Kilometer, der Diesel kostet ca. 1,1€/l, d. h. die Spritkosten betragen für 65km 4,29 €. 10,3 kg CO₂ werden bei dieser Fahrt erzeugt, beim Elektro-Auto 0kg CO₂, nachdem mein Anbieter ausschließlich Ökostrom anbietet.
Mein Conclusio:
- Das Auto ist kindertauglich.
- Wie der Name schon sagt, ist es ein Stadtauto und kann dort seine Vorteile voll ausspielen – vor allem in Hinblick auf den Verbrauch. In Wien ist die Dichte der öffentlichen Verkehrsmittel wiederum so hoch, dass ich dort auch mit Kind ohne Auto gut ausgekommen bin.
- Aus rein finanzieller Sicht ist beim derzeitigen Preisgefüge der Betrieb nicht sinnvoll, bei einer angenommen Preisdifferenz von EUR 20.000 zu einem Vergleichsauto komme ich bei einem Verbrauch von 6l/100km auf über eine Million Kilometer, wo die höheren Spritkosten kompensiert sind. Bei 4,4l/100km wären Diesel- und Stromkosten gleich.
- Die Testfahrt hat gezeigt, dass man nicht viel Leistung braucht, um voranzukommen. Die Benzin- und Dieselkarossen sind mit ihren 100 PS und mehr für Stadtfahrten extrem übermotorisiert, was sich negativ auf Verbrauch und CO₂-Bilanz auswirkt.








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