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Tag ‘Wertewandel’

Fossile Energie: Droht uns die nächste Krise?

veröffentlicht am 08.10.2008 um 11:42 von Günter Strobl (Raiffeisen-Leasing) icon 4 Kommentare, keine Trackbacks

Dieser Blog-Eintrag ist mir nicht leicht gefallen: Ich war gestern bei einem Vortrag von Dr. Hans Kronberger, Präsident der Photovoltaic Austria, zum Thema “Kein Öl, kein Gas, gute Nacht Europa!“. Der Biomasseverband hat in der Akademie der Wissenschaften dazu eingeladen. Jetzt sind wir gerade mitten in einer der größten Finanzkrisen, die die Welt je gesehen hat - von einer Bewältigung derselben dürften wir noch weiter entfernt sein - und ich hocke in einem Vortrag über die nächste Gefahr: Eine Energiekrise ungeahnten Ausmaßes bedroht Europa in den kommenden Jahren.

Photovoltaic statt Gas (Fotomontage: Raiffeisen-Leasing)So zumindest zeichnet der Vortragende Hans Kronberger das Bild: Die Gasreserven werden zunehmend knapp. Die EU wird im Jahr 2020 - so Kronberger - 25 % des benötigten Erdgases nicht bekommen! Die Preise werden drastisch steigen. Kronberger erzählt von Aktivitäten der russischen Gazprom, die sich die Gasvorkommen von Lybien und Algerien sichern, letztlich um die Gasversorgung Europas unter ihre vollständige Kontrolle zu bekommen. Diese Aktivitäten, die sich im wesentlichen in den letzten 24 Monaten abgespielt haben, würden von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Das ist nur eine Facette einer düsteren und vor allem dramatischen Entwicklung am fossilen Energiesektor. Er spitzt es zu und bezeichnet Europa als “Gas-Junkie”, das demnächst in der vollständigen energietechnischen Abhängigkeit Russlands steht.

Die EU ist in dieser Frage zerstritten und ohne Perspektive, meint Kronberger und fordert eine Initiative Österreichs, sich auf den Weg zur energietechnischen Unabhängigkeit zu begeben. Er bricht eine Lanze für die Photovoltaic und meint, dass spätestens 2015 der Durchbruch beim Preis für Solarenergie erfolgen wird. Wahrscheinlich schon früher, wenn man sich die letzten Preissteigerungen ansieht. Aber so lange sollen und dürfen wir nicht warten. Wir müssen jetzt beginnen, Photovoltaic zu nutzen, die Technik sei ausgereift. Österreich kann beweisen, dass Energieunabhängigkeit umsetzbar ist.

Warum mir dieser Blog-Eintrag nicht leicht gefallen ist. Weil ich grundsätzlich ein Optimist bin, der gestrige Vortrag mich aber doch einigermaßen depremiert hat. Ist es tatsächlich so schlimm? Wird Kronberger einer jener sein, von denen man in 10 Jahren sagen wird, er hätte damals schon darauf hingewiesen? Sind solche Vorträge und Informationen bloße Schwarzmalerei und Öko-Radikalismus? Wieviel Zeit bleibt noch für die Energiewende in Europa? Und: Wie bewältigen wir eine derartige Energiekrise, wo wir doch gerade mitten in der Finanzkrise stecken?

Eines fällt mir jetzt beim Schreiben schon ein: Ein umfassendes Investitions- und Förderprogramm der öffentlichen Hand für Ökoenergieprojekte! Der Staat ist - angesichts der Finanzkrise ohnehin gefordert zu investieren - jetzt geht es vor allem darum in die richtigen, zukunftsweisenden Projekte zu investieren! Fordern wir die Energiewende, jetzt!

Bericht auf Photovoltaic Austria

Antwort zum Kommentar von Ingo Oberortner:

Zum Thema “Photovoltaic ist noch zu teuer bzw. was kann man tun, damit es auch für Private erschwinglich wird” hat eine Frau aus dem Publikum der Veranstaltung gemeint, dass man beim Auto oder beim Urlaub derartige Wirtschaftslichkeitsfragen nicht oder kaum gestellt werden. Sie plädierte dafür, dass man sich auch schon jetzt Sonnenenergietechnologie leisten sollte. Ihr jedenfalls mache es Spaß, wenn sie täglich sieht wie ihr Elektroauto mit Solarenergie aufgetankt wird. Außerdem - so ließ mich der Vortrag auch schließen, sind alle gestrigen Wirtschaftlichkeitberechnungen Makulatur: Die fossilen Energiepreise werden derart steigen, dass sich eben schon sehr bald (weit vor 15 Jahren) die Alternativenergieträger rechnen. Außerdem: Man halte sich immer vor Augen: Die Sonne, der Wind selbst bleiben immer gratis!

Mein Fazit daraus: Wären wir nur überall so kritisch bei der Wirtschaftlichkeit gewesen, dann hätten wir wahrscheinlich die Probleme gar nicht, die wir heute haben.

Es geht um was: Ein Nachhaltigkeitsblog

veröffentlicht am 01.10.2008 um 10:24 von Günter Strobl (Raiffeisen-Leasing) icon keine Kommentare, keine Trackbacks

Heute bin ich - wie es im Internet eben so passiert - durch ein wenig herumsurfen auf einen sehr interessanten Weblog gestoßen, den ich hier gerne ein wenig vorstellen möchte. Konkret bin ich über einen anders|denken-Artikel über Holzcomputer auf den - so wie unser oekoenergie-blog.at auch - relativ jungen Weblog gelangt:

www.esgehtumwas.atwww.esgehtumwas.at bloggt über “Ansätze, die weitaus tiefer gehen [müssen]: Ganzheitlich, nachhaltig, innovativ”, weil es “eben nicht weitergehen kann wie bisher. ” Ein Mission Statement das mich wieder sehr bewegt hat, weil mir wieder einmal mehr bewusst wurde, dass wir mit kleinen Korrekturen auf diesem Planeten nicht weiterkommen werden. Es braucht grundlegende Veränderungen - vor allem und gerade auch im Denken, das ja idealerweise dem Handeln vorausgehen sollte. Die tagcloud von www.esgehtumwas.at zeigt die bisherigen Themenschwerpunkte: arbeit, co2, energie, glück, lebensqualität, nachhaltigkeit und verantwortung. Das spricht mich an, weil es für mich auch jene Themen grob umreißt, um die es in den nächsten Jahren noch viel stärker gehen wird - gehen muss!

Der Blog ist jedenfalls schon in meinem RSS-Feeder gelistet und ich bin schon gespannt auf neue Beiträge.

Story of Stuff: Eine eindrucksvolle Geschichte der Verschwendung

veröffentlicht am 29.09.2008 um 09:21 von Günter Strobl (Raiffeisen-Leasing) icon keine Kommentare, keine Trackbacks

Bei komplexen Themen schaffen wir es oft nur einzelne Aspekte zu erfassen. So hat z.B. Frederic Vester seit den 1970er Jahren mit seinen Forschungsarbeiten bereits “vernetztes” gegenüber “linearem Denken” gefordert, um den in der Natur vorkommenden komplexen Gesetzmäßigkeiten adäquat zu begegnen. Er galt damit auch als ein Vorreiter der Umweltbewegung.

www.storyofstuff.comIch bin nun auf eine sehr interessante Webseite gestoßen, die diesen Grundgedanken Vesters sehr anschaulich, kurzweilig und lehrreich umsetzt. “Story of Stuff” ist eine Internetseite, die vor allem eines zeigen will: Dass lineares Denken und Handeln auf einem Planeten auf Dauer nicht funktionieren kann. Das Video nimmt zwar Bezug auf amerikanische Verhältnisse, passt aber ohne weiteres auch auf uns Europäer. Außerdem ist es ein Beispiel dafür, dass sich auch in den USA eine Umweltbewegung gebildet hat, die engagiert versucht, dass bestehende Wirtschaftssystem zu verändern. So wird z.B. die Frage gestellt, wie es sein kann, dass z.B. ein Radiogerät im Laden zum unglaublich günstigen Preis von $ 4,99 zu haben ist. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass es tatsächlich so billig ist. Wer aber zahlt dann dafür den Preis? Das Beispiel zeigt anschaulich, was es mit der “Externalisierung” von Kosten auf sich hat.

Prädikat: sehenswert!

Carsharing ist eine echte Alternative

veröffentlicht am 10.09.2008 um 11:56 von Günter Strobl (Raiffeisen-Leasing) icon 1 Kommentar, keine Trackbacks

Seit fast 10 Jahren gehöre ich zu den Carsharern in Wien. Aus einer Not heraus geboren - damals war ich gerade mit dem Studium fertig geworden und konnte mir kein Auto leisten - gehörte ich zu den ersten Carsharing Kunden von denzeldrive.

2000 habe ich dann aufgrund meiner Berufslaufbahn einen Dienstwagen erhalten und ich bin soviel es ging damit gefahren. Ich habe wenig darüber nachgedacht, ob es Sinn macht diese oder jene Strecke mit dem Auto zu fahren, es war ja einfach da und noch dazu sehr bequem. Mit dem Jobwechsel war auch das Dienstauto weg und ich begann wieder umzudenken. Ein eigenes Auto hätte ich mir mittlerweile leisten können, aber dann erinnerte ich mich an die Stunden der Parkplatzsuche, die Stunden im Stau und den Stress auf der Autobahn. Ich entschloss mich auf das eigene Auto endgültig zu verzichten.

Heute nutze ich die möglichen Verkehrsmittel so gut wie möglich: Bei Schlechtwetter die Öffis, bei Schönwetter das Fahrrad, bei längeren Strecken die Bahn. Ich gehöre auch zu den häufigeren Taxifahrgästen, weil ich mir diesen Luxus dann auch leiste. Der ist aber weit vom Luxus eines eigenen Autos kostenmäßig entfernt: Im Schnitt zehn Mal pro Monat Taxi fahren sind rd. 100 EUR. Dazu kommen noch rd. 50 EUR für die Öffis. Und etwa fünf Mal im Jahr geht es gar nicht anders und ich brauche ein Auto. Dann nehme ich mir ein Mietauto oder nutze eben das Carsharing.

Carsharing rechnet sich unter 12.000 km im Jahr!

Der VCÖ hat in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass ein eigenes Auto sich finanziell erst ab einer gewissen Grenze rechnet. Zumindest für jene, die weniger als 12.000 km im Jahr fahren. Der VCÖ zeigt, dass bei 10.000 Jahreskilometer der eigene VW-Polo monatlich 574 Euro kostet, Carsharing hingegen nur 488 Euro. Bei weniger Kilometer wird’s natürlich für Carsharer noch günstiger.

Um sich nicht in die Tasche zu lügen, sollte man allerdings bei der persönlichen Vergleichskalkulation nicht von den aktuellen Autokilometern ausgehen, sondern von einer “optimierten” Variante: Überlegen Sie sich ehrlich, wieviele Kilometer Sie wirklich mit dem Auto tatsächlich zurück müssen. Bei mir sind es rd. 2.000 km im Jahr - inkl. Urlaubskilometer.

Wenn Sie aber nicht nachrechnen wollen, bleibt aber immer noch die Möglichkeit, die nächsten nicht unbedingt notwendigen Autokilometer vielleicht doch mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen. Das kostet nämlich überhaupt nichts - nicht einmal eine Vergleichsrechnung.
 

Österreicher radeln fleißiger

veröffentlicht am 25.08.2008 um 13:08 von Günter Strobl (Raiffeisen-Leasing) icon keine Kommentare, keine Trackbacks

VCÖ, Grafik: G. StroblWie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) aktuell berichtet radeln die Österreicher fleißiger. In einer aktuellen Umfrage zeigt sich, dass die steigenden Spritpreise die Österreicher dazu motivieren, das Radfahren auszuprobieren. 4 von 10 Befragten steigen mittlerweile deshalb auf den Drahtesel.

Wie der VCÖ auch betont haben sich die Österreicher durch das Radeln bereits 125 Mio. EUR an Spritkosten erspart.

Zur Aussendung des VCÖ

Ich habe zwar seit Jahren kein Auto mehr, musste aber bei mir auch feststellen, dass ich heuer mehr geradelt bin als in den Jahren zuvor. Wenn ich so darüber nachdenke, dann liegt das wohl auch daran, dass Radeln mittlerweile ein besseres Image bekommen hat und es ziemlich hip ist, im Anzug durch die Stadt zu radeln. Immer mehr Menschen im Business-Outfit sieht man auf den Radwegen. Logistisch muss man sich etwas besser organisieren: Natürlich ist es nicht gut, wenn man verschwitzt ins Büro kommt. Bei mir geht das aufgrund meines Arbeitsweges gut. Weil es morgens in die Arbeit bergab geht, ist das mit dem Anzug auch kein Problem. Abends lasse ich die Sachen dann im Büro und radle mit echter Radlerbekleidung wieder heim. Alle ein bis zwei Wochen bringe ich meine angesammelten Kleidungsstücke per Taxi nach Hause oder - auch gleich praktisch - in die Reinigung.

Klimaschutz - eine globale Notwendigkeit?

veröffentlicht am 13.04.2008 um 22:09 von Gottfried Heneis (Raiffeisen-Leasing) icon keine Kommentare, keine Trackbacks

Als Betriebswirt hört man zu diesem Thema sehr oft das Argument, die Kosten sind für die Industrie, den Konsumenten, den Staat …….. zu hoch. Die meisten diskutierten Maßnahmen sind zu teuer und bringen einen Nachteil am Markt. Produktionsstandorte müssen verlegt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die Ökostromkosten sind die Preistreiber beim Strompreis und erneuerbare Energie insgesamt ist im Vergleich zum Nutzen nur ein Teuerungsfaktor.

Diese Argumentation könnte endlos fortgesetzt werden, wenn man den Vertretern der großen österreichischen Interessensvertretungen (Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund) zuhört.

Auf Regierungsebene wird sogar argumentiert, dass es gar keiner besonderen Maßnahmen bedarf um die Klimaschutz-Ziele der EU zu erreichen.

Bei dieser Ignoranz hilft aus meiner Sicht nur ein tatsächlicher Wertewandel, d.h. zunächst muss in den Köpfen ein Umdenken passieren, damit nicht die Kosten einer nachhaltigen Klimaveränderung ein Vielfaches der jetzt angeprangerten Kosten für Ökoenergie und Effizienzprogramme betragen.

Passiert dieser Wertewandel oder müssen wir auch hiefür auf eine Regelung der EU warten? 

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